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01.06.2016 21:39
Volleyball-Ladies vollbrachten sportliches Pfingstwunder

Die Ü49-Seniorinnen vom VC Katzwang-Schwabach holten den Deutschen Meistertitel

 

Nicht Letzter und Spaß haben – das war das erklärte Ziel der Ü49-Routiniers vom VC Katzwang-Schwabach, als sie sich am Freitag vor Pfingsten auf den Weg zur Deutschen Meisterschaft machten: Einmal längs durch die Republik nach Norderstedt bei Hamburg. Dort wurden die Deutschen Meisterschaften in den "Königsklassen" ausgetragen, nämlich bei den Männern in den Altersklassen Ü53 und Ü59 sowie bei den Frauen Ü49 und Ü43. Bereits auf der Hinfahrt war die Stimmung im Mannschaftsbus großartig, und die sollte sich über das Wochenende weg kontinuierlich steigern. Am Ende standen die VC-Damen nämlich ganz oben auf dem Treppchen!

Bei der Bayerischen Meisterschaft hatte es noch nicht restlos geklappt mit dem Gewinnen: In Altötting mussten sich die Ladies vom VC nur aufgrund des Satzverhältnisses hinter dem TSV Friedberg einordnen, den sie im direkten Vergleich mit 2:1 Sätzen besiegt hatten. Aber im Endeffekt ist es egal, ob man als Meister oder Vize zur Deutschen Meisterschaft fährt, denn Dabeisein ist ja bekanntlich alles. Und genau mit dieser Einstellung gingen die fränkischen Ü49-Volleyballerinnen in den Wettkampf: Hochmotiviert und mit viel Spaß. Die Last der Favoriten-Rolle hatten andere zu tragen, beispielsweise das hochkarätig besetzte Team von der TG Rüsselsheim, das kompakte Team vom VfL Telstar Bochum, oder die Damen aus der Hochburg des Senioren-Volleyballs in Backnang. Den VC Katzwang-Schwabach dürfte wohl niemand als Favoriten auf dem Zettel gehabt haben. Aber manchmal kommt es anders, als man denkt…!

Auch der Hauptstadt-Club TSV Rudow zählte mit zu den Titelaspiranten. Und ausgerechnet dieses Team stand als erster Vorrunden-Gegner auf dem Spielplan des VC Katzwang-Schwabach. Spiele am Morgen gehörten noch nie zu den Stärken des der VC-Volleyballerinnen, und so lief auch diesmal der VC-Motor noch nicht rund gegen die Damen aus Berlin: Annahme, Abwehr und Abstimmung funktionierten noch nicht wirklich, besonders im ersten Satz. Dieser ging zwar knapp, aber doch verdient verloren. Im zweiten Satz gab es von Anfang an ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem der VC aber meist die Nase ein bisschen vorne hatte. Das blieb so bis zum Ende, so dass nach Sätzen ausgeglichen wurde. Der Tie-Break musste entscheiden, und dabei hatten die VC-Damen wohl das Köfferchen mit der Annahme nicht mit auf's Spielfeld genommen: Unnötige Fehler und mangelnde Absprache im Team führten zur ersten - und schließlich zum Glück einzigen - Niederlage des Turniers (1:2).

Nun waren die Damen vom VC Katzwang-Schwabach aber sowohl warm gespielt als auch wach, die Fehler des ersten Spieles waren analysiert und besprochen: Gegen die Damen von der SpVg Eidertal-Molfsee sollte es besser werden. Und das wurde es auch: Obwohl die Gegnerinnen aus dem hohen Norden teilweise erheblich größer gewachsen sind als die VC-Damen, kam der VC-Angriff ein ums andere Mal gut am gegnerischen Block vorbei. Die Annahme klappte nun beinahe hundertprozentig, so dass die Zuspielerinnen ihre Angreiferinnen gut in Szene setzen konnten. Allein die Abwehr kämpfte noch immer ein wenig mit Abstimmungsproblemen. Dennoch: Zwei klare Satzgewinne gegen Eidertal-Molfsee reichten für den zweiten Platz in der Vorrunden-Gruppe und damit für den Einzug in die Finalrunde der besten Acht. Die Stimmung stieg weiter.

Und da traf man nun auf einen der Favoriten, nämlich das Team der TG Rüsselsheim um die ehemalige Nationalspielerin Gabi Lorenz, die mit einigen ihrer ehemaligen Bundesliga-Teamkolleginnen seit Jahren ganz oben mitspielt, wenn es um die Meisterschaft in der Altersklasse Ü49 geht: Vize 2013, Meister 2012, eigentlich immer auf dem Treppchen vertreten und entsprechend erfolgsverwöhnt und selbstbewusst traten die Hessinnen auf. Eine Niederlage gegen die Underdogs vom VC Katzwang-Schwabach hielten sie offensichtlich für unmöglich. Da hatten sie aber die Rechnung ohne die Ladies aus Franken gemacht, die nun völlig losgelöst und beinahe fehlerfrei aufspielten. Selbst mehrere von den Rüsselsheimerinnen angezettelte Diskussionen mit dem Schiedsgericht konnten die Damen vom Volleyballclub nicht aus dem Konzept bringen. Der erste Satz ging zwar knapp, aber durchaus verdient an den VC Katzwang-Schwabach! Damit kamen die Damen aus Rüsselsheim offensichtlich gar nicht klar: In den zweiten Satz starteten sie zunächst mit einer falschen Aufstellung, was erneut unerfreuliche und lange Diskussionen mit dem Schiedsgericht zur Folge hatte. Zum Glück ließen sie die Volleyballerinnen aus dem Frankenland davon nicht weiter beeindrucken, sondern bauten jetzt erst recht konsequent druckvolle Angriffe auf. Die Absprache im Team klappte nun besser, und so gab es auch in der Abwehr der VC-Damen kaum mehr Lücken. Die Marschroute lautete: Im Zweifelsfall auf die Eins! Und tatsächlich: Wann immer diese Position beim Gegner angespielt wurde, gab es einen Punkt für den Volleyballclub! Mit einem sensationell deutlichen 25:15 Punktverhältnis ging dieser zweite Satz an den VC. Der Einzug in Halbfinale war geschafft! 

Die Stimmung kochte, und deswegen wurde auf einem naheliegenden Supermarkt-Parkplatz ausgelassen gefeiert: Die hatten dort schließlich genug Sekt und Ähnliches im Angebot. Der vierte Platz war jetzt schon mal mindestens geschafft, und das musste schließlich begossen werden. Diese Stimmung prägte den ganzen Abend, und alle Spielerinnen dürften wohl mit einem zufriedenen Lächeln zu Bett gegangen sein.

Am Pfingstsonntag konnte man dank der guten Platzierung des Vortages zunächst einmal das Frühstück verdauen, während die Halbfinal-Begegnungen um die Plätze 5 bis 8 liefen. Danach ging's ins Halbfinale gegen die TSG Backnang, die auf allen Positionen, insbesondere auf der Mitte extrem gut besetzt war. Die taktische Marschroute lautete: "Wenn die 12 vorne ist, spielen wir nicht über die Mitte!" Das war eine klare Ansage, die konsequent umgesetzt wurde. Zudem klappten Annahme und Abwehr: Die Damen vom Volleyballclub lieferten wohl ihre beste Leistung seit langem ab, zeigten Nervenstärke und gewannen den ersten Satz denkbar knapp mit 26:24 Punkten. Im zweiten Satz zeigten die Damen aus Baden-Württemberg, was so in ihnen steckt und setzten den VC-Ladies mächtig zu. Lange Zeit lag der VC in Rückstand, aber durch geschicktes Coaching und ein paar unkonventionelle Spielerwechsel schafften es die Fränkinnen, das Spiel zu drehen: Mit 27:25 holten sie auch den zweiten Satz – und standen somit im FINALE!!! Wohin sollte die Stimmung jetzt noch steigen?

So etwas hatte es für dieses Team noch nie gegeben, und entsprechend groß war die Freude. Es wurden viele Freudenbilder geschossen, bevor man sich auf den Weg in die Moorbek-Halle machte, wo alle Endspiele parallel ausgetragen werden sollten. Dort musste man sich erst einmal orientieren: Eine riesige Halle mit insgesamt 6 Spielfeldern und rundum Tribünen. Auf einem der Spielfelder liefen gerade die Vorbereitungen für das Endspiel der Ü59 Männer, überall anders waren die letzten Endrunden-Begegnungen in vollem Gange. Die VC-Damen hatten also ein wenig Zeit, sich zu akklimatisieren.

Es dauerte tatsächlich auch ein Weilchen, bis sich jemand vom Organisationsteam fand. Der organisierte dann aber auch gleich ein neutrales Schiedsgericht und ein Spielfeld für das Endspiel der Ü49-Damen. Das Team vom VC Katzwang-Schwabach aber war super drauf, machte sich sehr gründlich warm, und sogar die beiden anderen bayerischen Teams aus Jettingen und Friedberg, die in der Zwischenzeit ihre Platzierungsspiele als Sechster bzw. Siebter abgeschlossen hatten, kamen zum Anfeuern in die Halle. Die Tribüne füllte sich derweil mit anderen Teams, die man im Laufe des Turniers kennengelernt hatte. Das Endspiel-Fest konnte losgehen!

Die Damen vom TSV Rudow 1888 wollten das gleiche wie die vom Volleyballclub: Gewinnen! Und so schenkten sich die beiden Teams von Beginn an absolut nichts. Jeder Ballwechsel war hart umkämpft, keines der beiden Teams konnte sich zunächst absetzen. Dennoch gelang es den VC-Damen im Spielverlauf, etwas druckvoller aufzuschlagen und etwas wirkungsvoller anzugreifen als die Gegnerinnen. Es war eine knappe Kiste, aber der erste Satz ging verdient an den VC Katzwang-Schwabach. Im zweiten Durchgang gerieten die Fränkinnen jedoch erst einmal in einen knappen Rückstand, da die Annahme wieder ein wenig wackelte. Die Taktik-Abteilung war wieder gefordert, fand aber erneut die richtigen Maßnahmen, um den Volleyballclub zurück auf die Siegerstraße zu bringen. Die Annahme wurde ein wenig umgestellt, aber insbesondere sorgten druckvolle und platzierte Aufschläge dafür, dass sich der VC einen Vorsprung holen konnte, den die Ladies über die Ziellinie brachten. Letztendlich verdient mit 2:0 Sätzen besiegten die fränkischen Volleyballerinnen die Damen aus der Hauptstadt, ergatterten die Bayernfahne (eine Frankenfahne gab's leider nicht) aus der Hallendeko und feierten ihren ersten Deutschen Meistertitel ausgiebig und ausgelassen. Als sie schließlich mit Goldmedaillen um den Hals vom Treppchen aus der Nationalhymne lauschen durften, fühlte sich das verdammt gut an. Jetzt war die Stimmung tatsächlich nicht mehr zu toppen.

 

Für den VC Katzwang-Schwabach waren im Einsatz: Jelena Azjukowksa, Sabine Linge, Marion Meusel, Heike Mühlbauer, Inge Pfitzinger-Miedel, Helga Pfitzinger-Schiele, Gabriele Stallwitz, Manuela Stark und Silvia Wichtel.

 

Kategorie: Mittelfranken

Ergebnisdienst MFR

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